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Übung für mehr Präsenz und größere Wirkung


Ich telefoniere regelmäßig mit meiner 9jährigen Nichte. Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass ihr „Halloooo“ jedes Mal gleich klingt. Irgendwas kommt mir komisch dran vor, und nicht nur, dass sie es immer im nahezu identischen Tonfall sagt. Irgendwann fällts mir wie Schuppen von den Augen: Sie sagt es wie …. ich. Sofort starte ich Gegenmaßnahmen: Ich säusle Ciao, brumme Servus, schreie Hola! Nix. Sie flötet immer das gleiche „Hallooo“.Die Routine hat bereits das Zepter übernommen. Irgendwann hab ich eine Idee: Lass uns ein Spiel machen, wir sagen jetzt beide jedes Mal, wenn wir uns hören, anders Hallo. Au jaa, ruft sie begeistert. Eine Woche später klingel ich sie an und auf meine übliche Begrüßung dröhnt mir ein rauchiges „Hellou! entgegen. Ups, falsch verbunden? Nee, wir haben doch gesagt, dass wir …. Mist, sie hat dran gedacht und ich habs verdödelt. Ich lege gleich nochmal auf, und wir machen einen zweiten Anlauf.

Was hat das jetzt mit Präsenz zu tun? Alle Menschen in meinen Seminaren wünschen sich mehr Präsenz, wenn es um Verbesserung ihrer kommunikativen Wirkkraft geht. Weil alle wissen, dass eine starke Präsenz was macht, anzieht, beeindruckt. Ok, aber was ist denn bitteschön Präsenz genau? Und wie „macht“ man das? Präsenz heißt ganz einfach: anwesend sein. Und zwar komplett. Physisch, mental und emotional da sein, in diesem Moment. Und das sind wir definitiv nicht, wenn wir unser „Hallo“ gewohnheitsmäßig immer in der gleichen Stimmlage, im gleichen Rhythmus runterspulen (und womöglich auch noch unwissentlich im Tonfall unserer Tante. Oder sonst wem). Es ist natürlich utopisch zu glauben, wir könnten immer komplett präsent sein. Wir brauchen Routinen, Gewohnheiten, über die wir nicht mehr nachdenken müssen, um Energie zu sparen. Aber wenn es um mehr Präsenz in unserem Auftreten geht, dann ist die Begrüßung (und auch der Abschied) ein guter Moment, sich darin zu üben. Nicht schon im Kopf bei dem zu sein, was gleich kommt, was ich vielleicht gleich sagen will - oder bei dem, was grad war. Sondern einen Minimoment lang bewusst wahrnehmen: mich selbst, meine augenblickliche Verfassung, meine Körperhaltung, mein Gegenüber, den Kontext. Daraus ergibt sich ein immer andere Mix, der ein immer zumindest leicht anderes „Hallo“ (oder auch eine andere Begrüßung) entstehen lassen wird. Wenn nun Du Menschen begegnest, live oder am Telefon, oder wenn Du vor eine Gruppe trittst und diese Übung für mehr Präsenz und größere Wirkung probieren willst: Mach es nicht kopfig, lieber ein bisschen spielerisch, so wie meine Nichte. Heißt: Versuch nicht mental zu verstehen, wie es jetzt passend wäre und manipuliere dann nicht gezielt Deine Stimme. Das Hinspüren reicht, und dann lass dich selbst davon überraschen, was aus Dir herauskommt. Du wirst für Dich den Unterschied merken, dass Du mit einem Mal ein bisschen präsenter bist, mehr in dem, was gerade ist. Und es ist gut möglich, dass auch dein Gegenüber es spürt (wenn auch vielleicht eher unbewusst). Vielleicht fühlt er/sie sich diesmal besonders gesehen und wahrgenommen (weil es genau so auch ist). Vielleicht gibt es auch eine kleine Irritationen, weil Du etwas anders bist als sonst. Was ja nicht schlecht sein muss… 😊

Buddha mit Begrüßungsschild mehr Präsenz und Wirkung
Mehr Präsenz und Wirkung

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